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Texte Lutz Eikelmann
Hawe Schneider

 
Remembering Lonnie Donegan - Konzert im Jazzclub Dissen, März 2006

Foto: Klaus le Vrang

LUTZ EIKELMANN EMPFIEHLT:

Die Frage "was ist Skiffle?" ist am Besten durch den "King Of Skiffle", Lonnie Donegan, zu beantworten. http://www.youtube.com:80/watch?v=nyE3LzSJ-wQ Hier singt er ( ca.1958 ) "My Dixie Darling", gefolgt von "Cumberland Gap", einen seiner 1957er Nr.1-Hits: http://www.youtube.com/watch?v=vVi_lw8j_Zo&feature=related

So muß eine Band aussehen: http://www.youtube.com/watch?v=efaADZi6T9Y&feature=related 

Lonnie mit Chris Barber in Odense, Dänemark, 1994 mit "Over In The New Burying Ground": http://www.youtube.com/watch?v=9WK64SXvhps&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=kTKSWnWIxnM  Lonnie Donegan in den 50er Jahren in seiner TV-Show "Putting On The Donegan" mit dem Titel "The Battle Of New Orleans".

http://www.youtube.com/watch?v=GynnhBUOHkg  Hier Lonnies temperamentvolles "Gamblin´ Man" aus der gleichen Sendereihe.

http://www.youtube.com/watch?v=h3rawgRVpE0  Ebenfalls aus dieser Ära stammt "Hard Travelling".

http://www.youtube.com/watch?v=Vikkjh6t0E0  Etwas weniger wild ist sein "Bewildered".

http://www.youtube.com/watch?v=SI50oqBxb34  Viele Jahre bevor Gospel eine Modewelle in Europa wurde: Lonnie Donegan & His Skiffle Group mit "I Shall Not Be Moved".

http://www.youtube.com/watch?v=qQaai3zjgGQ&feature=related  Hier das Kinderlied über den Frosch, der eine Maus liebt: "Mr.Froggie".

http://www.youtube.com/watch?v=nzqiLf503qQ&feature=related  Hier eine Version von Lonnies 1957er Nr.1-Hit "Putting On The Style".

http://www.youtube.com/watch?v=_O4qkHMv678&feature=related  "Jack O´Diamonds" is a hard card to find... manchmal schwer, doch nicht unmöglich zu finden!

http://www.youtube.com/watch?v=wjfL4X70Ipw  Lonnie Donegan 1972 live im "Musikladen", Radio Bremen, mit dem Medley "Putting On The Style / Does Your Chewing Gum Loose Its Flavour On The Bedpost Overnight?"

www.upbeat.co.uk  Upbeat Recordings ( UK ) veröffentlichte 2007 zwei CDs featuring Lonnie Donegan: URCD-214 Lonnie Donegan - Jubilee Concert 1st half & URCD-218 Lonnie Donegan - Jubilee Concert 2nd half. --- In der ersten Hälfte erlebt man Lonnie sowohl mit der 1953/54er Besetzung von "Ken Colyer´s Jazzmen" ( mit Ken, Chris Barber, Monty Sunshine, Jim Bray & Ron Bowden plus Pat Halcox ) als auch mit der damaligen Skiffle Group mit Ken, seinem Bruder Bill Colyer am Waschbrett & Chris Barber am Bass. --- Die 2.CD enthält sowohl die Live-Aufnahmen der 1981er Donegan-Skiffle-Group und das Finale des Jubilee-Konzertes ( "25 Years Of Rock Island Line" ) mit Skiffle-Group & Jazzern. Besonders empfehlenswert sind bei der 2.CD aber vor allem die Bonus-Tracks mit Monty Sunshine ( Donegan´s Dancing Sunshine Band & Leavin´ Blues ) und Lonnie´s Skiffle Group ( You Were On My Mind & I´ll Be Your Alibi ).

 

HIER EINIGE PERSÖNLICH WORTE:

Mein persönliches Interesse an Skiffle begann bereits im Vorschulalter, als ich ein Doppelalbum des "King Of Skiffle", Lonnie Donegan ( 29.04.1931-03.11.2002 ), in der Schallplattensammlung meines Vaters entdeckte und auf meinem stolzen Besitz, einem simplen DUAL-Plattenspieler, kurz und klein hörte. Damals inspirierte das zu Tagträumereien, oft Abenteuergeschichten. Warum --- wie mir noch in düsterer Erinnerung ist --- ich damals z.B. regelmäßig Assoziationen zwischen Lonnies 1959er Live-Aufnahme von "Does Your Chewing Gum Loose It´s Flavour On The Bedpost Overnight?" und dem Weggefährten Robinson Crusoes, "Freitag", innerhalb dieser mit Musik unterlegten Tagträume zog, ist mir nicht erklärlich.

Musikhören war in meiner Kindheit eine große Leidenschaft, das Musizieren selbst damals noch nicht. Meine Oma, Elisabeth Schimpff ( 26.02.1914-18.05.1991 ), war staatlich geprüfte Klavierlehrerin, und es war selbstverständlich, daß ich ( nach 2 Jahren Blockflötenunterricht bei Frau Paffrath in Hagen ) ab Januar 1977 Klavierunterricht bekam. Ich war aber faul sprich nicht übermäßig interessiert und tat nicht mehr als nötig. Am Interessantesten fand ich jedoch bei den "tralala"-Liedchen ( Gloryland, Swanee River u.ä. ), die wir zur Auflockerung spielten und die ich mehr mochte als den ganzen klassischen Kram, den Wechselbaß in der linken Hand. Erst viele Jahre später gewann ich den Eindruck, daß sich das Interesse für Bass-Funktionen und Bass-Linien, welches 1991/1992 zu Tuba & Sousaphon und 2000 zum Kontrabaß führte, bereits frühzeitig ankündigte.

Zur Enttäuschung meiner Oma inspirierte mich der Klavierunterricht, dem ich später noch eine ganze Menge abge- winnen konnte, jedoch nicht zu einer Leidenschaft für klassische Musik, die ich auch heutzutage eher intellektuell denn emotional wahrnehme, im Gegensatz  zu  vielen  anderen Musikrichtungen. Ende 1977 bahnte sich, nicht zuletzt dank Klaus Fischers legendärem Fallrückziehertor beim 4:1 Sieg gegen die Schweiz, mein Interesse für Fußball an, welches im Frühjahr und Sommer 1978  voll und ganz durchbrach und mich bis zu Jahresbeginn 1981 voll und ganz in Beschlag  nahm.  Musik war nebensächlich und der  Klavierunterricht  wurde von mir eher  lästig als inspirierend   wahrgenommen.  Er  war  insofern  sogar  "traumatisch",  weil er  dazuführte, daß ich  später keinerlei Interesse an weiterem, herkömmlichen Musikunterricht und Musik- studium entwickelte und  lieber die späteren Instrumente autodidaktisch zu lernen suchte, was sowohl Vor- wie auch Nachteile hat. Eine weitere Konsequenz war, daß ich Ende der 80er Jahre feststelle, daß ich am Klavier wegen damals noch vorhandener innerer Widerstände und Blockaden als Folge des Klavierunterrichts nie genügend üben würde,  um  gut genug  zu  werden.  Heutzutage,  also  fast 2 Jahrzehnte später, sind diese inneren  Widerstände und  Blockaden nicht mehr vorhanden, aber ob ich bei all den Herausforderungen der Gegenwart noch die Zeit finden bzw. nehmen würde am Klavier noch einmal bei Null anzufangen, weiß ich nicht. Müßte dann viel Geduld mit mir selbst haben. Doch zurück in die Jugend! 

Die Wende hin zur Musik kam 1981/82, als ich dieses Doppelalbum "wiederentdeckte" und diesmal mit anderen Ohren zu hören begann, das heißt, ich begann mich auf die Musik zu konzentrieren und mir zu wünschen, selber aktiv Skiffle ( und bald darauf auch Jazz ! ) spielen zu können. Leider fand ich damals in Hagen keine Gleichaltrigen, die dieses Interesse ernsthaft teilten, schon gar nicht in meiner Schule, wo unsere ersten Bandversuche nicht gerade Aufsehen erregten und kaum der Rede wert waren. Dennoch gab es in unserer Gemeinde hin und wieder Möglichkeiten bei diversen Feierlichkeiten, u.a. verschiedene Hochzeiten, etwas Skiffle-Artiges darzubieten. Mein Vater schrieb deutsche Texte auf alle möglichen Melodien wie z.Bsp. "Oh Susanna", ich stellte irgendeine Art Band zusammen mit Leuten, die gerade verfügbar waren und Lust hatten ( leider ließ sich Kontinuierliches nicht realisieren, schon gar nicht in fester Besetzung! ) und irgendwie schrabbelten wir drauf los, was fast immer erstaunlich gut ankam und ich als Ermutigung ansah. Jedenfalls verfolgte ich die Sache weiter, bis es im Herbst 1984 zu einem Ende kam.

Dann zerschlug sich jedoch die Sache, und es gab erst Anfang März 1995 wieder einen Anlauf in Richtung Skiffle. Mit Musikern der damaligen "Goin´ To New Orleans"-Besetzung probten wir am 07.03.1995 bei uns auf der Hestert in folgender Besetzung: Günter Verse ( halbverstärkte Gitarre ), Manfred Möhl ( Banjo & Gesang ), Gunter Barfuß ( Kontrabaß ) und Lutz Eikelmann ( Waschbrett & Gesang ) --- und zwar die Titel "Worried Man Blues", "Down By The Riverside" und "My Dixie Darling". Wir hätten es bei den nächsten Gelegenheiten einfach aufführen sollen, was wir jedoch leider nicht taten, so daß die Sache bald in Vergessenheit geriet. Das Hauptargument dagegen war die "mangelnde Perfektion" --- aber mit derart unnötigen Hemmungen wäre z.B. nie aus der "Quarrymen High School Skiffle Gang" die Gruppe "The Beatles" geworden!

Ich hatte jedoch Feuer gefangen und wollte jetzt endlich dort weitermachen, wo ich Ende 1984 aufgehört hatte. Gunter Barfuß schuf mir den Kontakt zum Skiffle-Experten Nr.1 in Europa, Holger Lührig, in dessen "Heupferd Jug Band" der 70er Jahre auch der heutige "König des Jazz- schlagers", Götz Alsmann, zu skiffeln begonnen hatte.

1996 schrieb ich einen Brief an Lonnie Donegan nach Fuingirola / Spanien, der jedoch unbeantwortet blieb.

1998 nahm ich im Zusammenhang mit unserem Dokumentationsvorhaben der europäischen Jazz- und Bluesszene, welches nicht realisiert werden konnte, aber Anstoß für vielerlei kleinere Dokumentation von 3SAT, Südwestfunk, BBC, Deutschlandfunk etc. und freier Produzenten gab, erneut Kontakt zu Lonnie Donegan auf. Gleichzeitig schlug ich ihm die Idee einer Pop-CD-Produktion vor, die Lonnie im "modernen, zeitgemäßen Gewand" zeigen sollte. Doch als ich noch im gleichen Jahr einen Abzug der am 04.01.1999 veröffentlichten CD "Muleskinner Blues" bekam inklusive 2er bisher unveröffentlichter Titel, verwarf ich diese Idee. Das war nicht mehr zu toppen aus meiner Sicht. "Muleskinner Blues" ist ein höchst spirituelles Album, was sollte ein Mensch mit dieser innerlichen Reife noch einmal seine alten Hits mit modernen Sounds & Rhythmen aufnehmen? Wäre wahrscheinlich dennoch gut geworden, aber selbst die 2000 veröffentlichten Belfaster Skiffle Sessions fallen deutlich ab gegen Muleskinner Blues, sie sind einfach nur runtergeschrubbelt von den "Auto-Piloten" von Lon und Van ( Morrison ). Auch irgendwo dufte, aber keine Weiterentwicklung! Nur eine spaßige Revival-Session! ( Dennoch sehr empfehlenswert! )

Am 07.12.1998, dem 49. Todestag von Huddie Ledbelly, besuchte ich mit Michael Schneider, dem Musikwissenschaftler Lionel Haas, mit Holger Lührig und meiner damaligen Lebensgefährtin Jutta Kühl das Konzert in der Londoner Royal Albert Hall "SKIFFLE - THE ROOTS OF BRITISH ROCK", wo Lonnie das beste Konzert seines Lebens spielte. Zurück in Deutschland schrieb ich ihm einen Brief, wo ich sagte, daß ich meine Produktionsidee mit ihm aufgeben wollte und mir seine Freundschaft wichtiger wäre als alles andere. Und am 03.02.1999, einem Donnerstagnachmittag, kam ich nach Hause und hörte folgende Nachricht auf meinem Anrufbeantworter mit einer mir wohlbekannten Stimme: "Hallo Lutz, this is Lonnie Donegan. I wanna thank you for your letters and records and have a little chat with you. My number here in Spain is 0034... Bye!"

Von da an telefonierten wir öfter bis zu seinem Tode 2002, leider nicht oft genug wie ich nachträglich empfand, aber ich wollte nicht aufdringlich sein, obwohl ich den Freibrief hatte jederzeit zwischen 12 Uhr Mittags ( "Please don´t call me in the morning" ;-) wie einer seiner Blues auf "Muleskinner Blues" hieß!! ) und ein, zwei Uhr Nachts anzurufen.

Obwohl Michael Schneider und ich 1998/1999 Europa und halb Amerika ( u.a. auch Kontaktaufnahme zu Bill Clinton ) aufmischten wegen unserem Doku-Vorhaben, ließ sich die Sache nicht umsetzen. Es gab zuviel Blockerei ( mit der Folge späterer Trittbrettfahrerei ), und die Angelegenheit wäre auch zu umfangreich geworden.

Was also tun? Ich beschloß einfach Skiffle auf CD zu bringen. Bei den Aufnahmen zur CD "Schwarze Augen" im Februar 2000 spielte ich nachträglich bei 3 Titeln ( "Doin´ The New Lowdown" / "American Minstrel Medley" & "It´s Tight Like That" ) Waschbrett, gemäß dem Motto der Banjo Crackers der 70er Jahre "When Skiffle Goes To Jazz Town". Und im Sommer 2000 spielten Sean Moyses und ich gemeinsam mit Original-Skiffler Dickie Bishop 11 Titel innerhalb von 5 Stunden ein, die dann für das Album "No Other Baby" um 4 Jazz-Titel mit Dickie, Sonny Morris, Ian Wheeler, Ray Smith und mir ergänzt wurden.

ALLGEMEIN:

Im September & November 2001 spielte Lutz Eikelmann zwei Konzerte mit "C.G. & Friends" in Essen und Beckum.

Nach dem Tode Lonnie Donegans zog Lutz Eikelmann in Erwägung, zwei Titel zum Andenken Donegans aufzunehmen ( er hatte "Worried Man Blues" & "Alabammy Bound" im Sinn ) und fragte Bastian Korn nach Mitwirkung. Aus der dadurch aus- gelösten Diskussion entwickelten Bastian & Lutz die Idee "An International Tribute To Lonnie Donegan", die 2003/2004/2005 umgesetzt werden sollte, jedoch bisher an massiven Widerständen im Ausland "scheiterte". D.h., es gab zwar etliche Aufnahme-Sessions in 2003 ( Februar / April / August / Oktober / November ) im BMB-Studio / Essen, aber es wurde sowohl die Chance der CD-Veröffentlichung wie auch die Kontaktaufnahme zu diversen britischen Musikern blockiert, die als potentielle Kandidaten für einen interpretatorischen Beitrag für das Tribute-Album in Frage gekommen wären. Die Idee ist aber nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, doch dafür müssen die Zeiten günstiger, gewisse Einsichten geschaffen und internationale Kooperationen vollzogen werden.

Ende 2004 veröffentlicht Lutz Eikelmann die CD "Rememberng Lonnie Donegan" und schreibt im Booklet-Text Seite 4: "But this compilation is not our `Tribute´ album."  Diese CD diente zunächst nur als Souvenir der "Remembering Lonnie Donegan"-Konzerte in Gelsenkirchen und Essen-Kettwig im Dezember 2004 und enthält Titel, die nicht für das "Tribute"-Album vorgesehen sind. Dennoch eine schöne, bunte Mischung, zu der Andreas Geyer im Jazz Podium / Juli 2005 schrieb: "Diese CD zeigt die ganze Vielfalt und zeitlose Lebendigkeit der Skiffle Musik und ist mehr als nur ein Appetithappen auf die eigentlich Tribut-CD für Lonnie Donegan."

2006 folgten "Remembering Lonnie Donegan"-Konzerte in Dissen (März), Hagen (April) und Unna (Dezember).

Im August 2006 produzierte Lutz Eikelmann für die CD "13 Jahre Lutzemann´s Jatzkapelle" drei Titel aus dem Repertoire Lonnie Donegans, interpretiert durch Bastian Korn ( Gesang ): "Goin´ Home" ( Ken Colyer arr. Lutz Eikelmann ); "I´ve Got Rocks In My Bed" ( Lonnie Johnson ) und "Nobody´s Child" ( Foree/Coben arr. Lutz Eikelmann ).

Ein Jahr darauf spielte man Anfang August mit "Remembering Lonnie Donegan" sowohl in Duisburg wie auch beim Jazzfestival in Dissen, wo man zwar noch die "Standing Ovations" toppte, die die "Vorgruppe" ( Kenny Ball & His Jazzmen ) auf der Hauptbühne erzielte, jedoch in der Pressekritik des Festivals dennoch völlig ignoriert wurde.

 

Fortsetzung folgt!

 

 

WAS IST SKIFFLE?

http://www.paulleegan.com/page-index-Sounds-5.html  In diesem BBC-Interview von Anfang 2000 erklärt Lonnie Donegan, was Skiffle ist. Im Prinzip ließe sich alles auch auf den Titel des ersten Buches über Skiffle reduzieren, welches 1958 erschien: "Skiffle - The Story Of Folksong With A Jazzbeat".

"Skiffle  war  in  den  50er  Jahren  in  der  britischen  Jazz-szene  ein Synonym für Blues, bevor Lonnie Donegan mit seinen Comedy-Hits um die Ecke kam und das Wort eine neue Bedeutung bekam", erklärte Alexis Korner. Eine Ansicht, die Skiffle-Meister Ken Colyer sicherlich teilen dürfte.

"Wir hätten die Musik `Lonnie Donegan Music´ nennen sollen", erklärte der "King Of Skiffle", Lonnie Donegan, himself: "dann müßte ich nicht ständig erklären, was Skiffle ist!"   Vor allem gäbe es dann nicht --- wie z.Bsp. bei wikipedia und darüber hinaus in den Köpfen vieler Fans und Musiker --- die gedankliche Vermischung von dem Skiffle der Originale Barber/Colyer/Donegan mit der Jugband Music. Eine Undifferenzierung, die in den 50er Jahren jedoch popularisiert wurde, weil beim ersten Donegan-Hit "Rock Island Line" ein Waschbrett Ver- wendung fand --- jedoch sicherlich neben Lonnies Charisma den Hauptgrund für den Skiffle-Boom unter britischen Teenagern ( "Skiffle Craze" 1956-1958 ) dar- stellte, die fleißig zu Kazoo, Teekistenbaß, Kamm usw. griffen, obwohl ihre Idole, die unter Skiffle einen Mix aus  Blues, Folk, Gospel und Jazz verstanden, diese Mischung zur Auflockerung ihres Trad-Jazz-Programmes mit richtigen, professionellen Instrumenten wie Gitarre, Kontrabaß, Schlagzeug, Klavier usw. darboten.

Chris Barber und Lonnie Donegan erklärten den Hintergrund, warum sie für diesen Mix das Wort "Skiffle" auswählten, wie folgt: als "Ken Colyer´s Jazzmen" 1953 immer erfolgreicher wurden, fragten die Promoter wegen der Plakatierung, wie man denn die 2.Band nennen sollte, worauf Bill Colyer, Kens Bruder und damaliger Manager der Band, fragte: "Welche 2. Band?" "Nun, die Gruppe mit den Gitarren, die zwischen den Jazzdarbietungen auftritt!" "Das ist keine 2.Band, das sind doch wir selbst, wir machen da nur mittendrin einen Mix aus Folksongs, Blues und so weiter!" "Ok, aber was sollen wir auf´s Plakat drucken?" "Nennt es doch `die Band, die mittendrin spielt und Folksongs, Blues und so weiter..." "Nein, nein!" weigerten sich die Promoter. "Das geht nicht!"

Bill Colyer, der damals wegen seiner transatlantischen Kontakte sein Schallplattensammelinteresse eifrig be- trieb, wußte Rat. Er sagte: "vor grob 20 Jahren gab´s in Chicago eine Gruppe in der "Chicago area" um Dan Burley herum, die genau wie wir einen Mix aus Blues & Folksongs darboten und das Ganze `Skiffle´ nannten!" "Ja, Skiffle ist gut", meinten die Promoter, "das ist kurz und prägnant, das können sich die Leute merken!" "What the hell, call it `Skiffle Group´ then!" brummte Bill Colyer.

Später  erklärten Chris und  Lonnie, daß es  eben  diese   Schallplatte gäbe: "Dan Burley Hometown Skiffle", auf der man einen Mix aus Sprechgesang, Blues und Boogie-Woogie und Instrumente wie Klavier und Gitarre hört. "Wir wußten nicht, ob `Skiffle´ nun eine Musikrichtung sei, ein Tanz oder eine Party, aber uns gefiel das Wort, daher benutzten wir es!"

Demnächst mehr hierzu!

 

 
 
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Lutz Eikelmann | eikelmann-hagen@t-online.de